
Die Mobilität befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Elektrofahrzeuge, Hybridantriebe und Wasserstofftechnologien gewinnen zunehmend an Bedeutung – und mit ihnen verändern sich auch die Anforderungen an Feuerwehren und Rettungskräfte. Moderne Fahrzeugkonzepte bringen neue Gefahrenpotenziale mit sich, die ein angepasstes Vorgehen, fundiertes Fachwissen und praxisnahe Ausbildung erfordern.
Ziel ist es, sowohl Einsatzkräfte als auch Betroffene bestmöglich zu schützen – durch klare Abläufe, aktuelles Wissen und realitätsnahe Trainings.
Hochvoltfahrzeuge (Elektro- und Hybridfahrzeuge)
Elektro- und Hybridfahrzeuge arbeiten mit Hochvoltsystemen, die Spannungen von mehreren hundert Volt erreichen können. Für Einsatzkräfte ergeben sich daraus besondere Risiken:
Erkennen von Gefahren durch Hochspannung
- Hochvoltsysteme sind häufig durch orangefarbene Kabel gekennzeichnet
- Beschädigte Fahrzeuge können unter Spannung stehen
- Unsachgemäßer Umgang kann zu lebensgefährlichen Stromunfällen führen
Sicheres Abschalten der Systeme
- Identifikation von Notabschaltmöglichkeiten (z. B. Trennstellen, Service-Stecker)
- Nutzung von Rettungskarten zur schnellen Orientierung
- Sicherstellung der Spannungsfreiheit vor Beginn technischer Rettung
Taktisches Vorgehen bei Verkehrsunfällen und Bränden
- Absicherung des Fahrzeugs gegen Wiederinbetriebnahme
- Vermeidung von Kontakt mit beschädigten Hochvoltkomponenten
- Anpassung der Lösch- und Rettungstaktik an das Fahrzeugkonzept
Die besondere Bedeutung der Rettung bei Elektrofahrzeugen
Die Rettung aus Elektrofahrzeugen erfordert besondere Aufmerksamkeit, da sich Gefahren oft nicht sofort sichtbar zeigen. Neben der Hochspannung spielt vor allem die Batterie eine zentrale Rolle:
- Zeitkritik: Bei beschädigten Batterien kann es verzögert zu Bränden kommen (sogenanntes „Thermal Runaway“)
- Gefahr für Insassen und Einsatzkräfte: Freisetzung toxischer Gase und hohe Temperaturen
- Stabilisierung des Fahrzeugs: Besonders wichtig, um Bewegungen zu vermeiden, die Batterien weiter beschädigen könnten
Eine strukturierte und schnelle Rettung ist entscheidend, um sowohl die Überlebenschancen der Betroffenen zu erhöhen als auch das Risiko für Einsatzkräfte zu minimieren.
Umgang mit brennenden Lithium-Ionen-Batterien
Brände von Fahrzeugbatterien unterscheiden sich deutlich von klassischen Fahrzeugbränden und stellen eine der größten Herausforderungen dar.
Charakteristische Eigenschaften:
- Sehr hohe Temperaturen
- Selbstständige Reaktion innerhalb der Zellen (Thermal Runaway)
- Schwierige Löschbarkeit und mögliche Wiederentzündung
Taktisches Vorgehen:
- Kühlen statt „klassisch löschen“: Große Mengen Wasser zur Temperaturkontrolle
- Langzeitüberwachung: Wiederentzündung kann auch Stunden später auftreten
- Sicherheitsabstände einhalten: Schutz vor Explosionen und austretenden Gasen
- Kontaminationsschutz: Umgang mit kontaminiertem Löschwasser beachten
Der Fokus liegt nicht nur auf der Brandbekämpfung, sondern vor allem auf der Kontrolle und Eindämmung des Ereignisses.
Wasserstofffahrzeuge – Chancen und Risiken
Wasserstoff gilt als vielversprechender Energieträger der Zukunft, bringt jedoch spezifische Gefahren mit sich, die im Einsatz berücksichtigt werden müssen.
Eigenschaften von Wasserstoff:
- Hochentzündlich
- Sehr geringe Dichte (steigt schnell nach oben)
- Flammen sind nahezu unsichtbar
Sicherheitsmechanismen und Drucktanks:
- Speicherung unter sehr hohem Druck (bis zu 700 bar)
- Fahrzeuge verfügen über Sicherheitsventile zur kontrollierten Druckentlastung
- Tanks sind hochstabil, aber bei starker Hitze gefährdet
Umgang mit Wasserstoff im Einsatz
Der richtige Umgang mit Wasserstofffahrzeugen erfordert ein klares Verständnis der physikalischen Eigenschaften:
- Gefahr durch unsichtbare Flammen: Einsatzkräfte müssen Wärmebildkameras einsetzen
- Explosionsgefahr: Ansammlungen in geschlossenen Räumen vermeiden
- Sicherheitsabstände: Großzügige Absperrung des Gefahrenbereichs
- Kontrolliertes Abbrennen: In bestimmten Situationen kann ein kontrolliertes Brennen sicherer sein als ein Löschversuch
Besonders wichtig ist die Beurteilung der Einsatzstelle: Offene Bereiche sind weniger kritisch als geschlossene Räume, in denen sich Wasserstoff ansammeln kann.

Aktuelle Entwicklungen und Ausbildung
Ein wichtiger Schritt zur Standardisierung des Umgangs mit Wasserstofffahrzeugen ist der aktuelle
„Wasserstoff – Leitfaden für Feuerwehren“ (Dezember 2025).
Dieser wurde kürzlich bei der Feuerwehr Wuppertal in die Ausbildung integriert und bildet eine wichtige Grundlage für zukünftige Einsätze.
Um die Empfehlungen des Deutschen Feuerwehrverbandes schnell und flächendeckend umzusetzen, wurde zusätzlich ein Online-Training entwickelt, das in den kommenden Wochen vorgestellt wird. Ziel ist es, Einsatzkräfte effizient und praxisnah auf die neuen Herausforderungen vorzubereiten.
Zusammenarbeit und Ausblick
Ein besonderer Dank gilt allen Beteiligten für die Organisation und Umsetzung der Schulungsmaßnahmen:
Fazit
Die Transformation der Mobilität bringt neue Technologien – und damit neue Risiken. Für Einsatzkräfte bedeutet das:
- kontinuierliche Weiterbildung
- Anpassung von Taktiken
- intensives Training mit realistischen Szenarien
Nur durch fundiertes Wissen und praktische Übung kann die Sicherheit für alle Beteiligten gewährleistet werden.
Die Technik entwickelt sich weiter – wir auch.

Danke für das Bildmaterial an Malte Reiter